Die Geschichte des Schuljungen aus Jersey
Die deutsche Besatzung von Jersey bei den Kanalinseln
Im Juni 1940 war ich ein Schuljunge im Alter von 12 Jahren. Wir lebten
an der See in der Stadt St.Helier, der Hauptstadt von Jersey, einer kleinen
Insel im Ärmelkanal, ungefähr 20 Km von der französischen
Küste entfernt. Die meisten Leute dort sprechen Englisch, aber
die Insel hat eine eigene Regierung und ist kein Teil des Vereinigten Königreichs.
Als die deutsche Armee Frankreich im Juni 1940 besetzte, dachten die
Einwohner Jerseys als Erstes, dass die
Ungefähr 40 kleine Schiffe wurden am 21.Juni zu der Insel geschickt
und ungefähr 10 000 Leute von der Bevölkerung von 60 000 verließen
ihr Zuhause und überquerten den englischen Kanal. Die meisten gingen
in Weymouth an Land. Sie hatten sehr wenig Geld, Koffer mit nur wenig Besitz,
und keine Bleibe.
Mein Vater arbeitete für das Postamt. Den Postbeamten wurde gesagt, dass ein Schiff ankommen würde, um sie wegzubringen, doch es kam kein Schiff. Ich erinnere mich daran, gehört zu haben, dass die Deutschen in dem Brief weißen Flaggen verlangten. Einige Leute dachten, dass es reiche, nur an großen Gebäuden weiße Flaggen aufzuhängen, wie Kirchen und Schulen, doch viele Leute hatten Angst, dass ihr Haus angegriffen würde, wenn es keine weiße Flagge hätte. Meine Mutter hängte ein Laken aus dem Fenster. Das Wetter war warm und sonnig. Gewöhnlich waren hier bei einem solchen Wetter viele britische Urlauber an den Stränden und in der Stadt, aber am 1.Juli war kaum irgendjemand auf der Straße zu sehen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in das Stadtzentrum ging, um meinen Freund Ronald zu besuchen, aber als ich vor dem Haus stand, fand ich zugezogene Vorhänge vor und niemand war drinnen. Eine Frau im Haus gegenüber öffnete ihr Fenster und rief, "Sie sind alle gegangen. Sie wurden evakuiert." Ich rannte zurück in Richtung von meinem Zuhause, aber als ich an einem großem Hotel (Das Ommaroo genannt) vorbeirannte, hielt ein Taxi an und drei deutsche Soldaten, die Gewehre und andere Ausrüstungsgegenstände bei sich hatten, stiegen aus und gingen in das Hotel! Es war das erste Mal, dass ich je einen deutschen Soldaten gesehen hatte. Gespannt, zu sehen, was sich ereignen würde, wartete ich auf dem Gehweg gegenüber dem Hotel. Mehr Taxis kamen. Sie waren vom Flughafen gekommen. Mehr Soldaten gingen in das Hotel. Keiner von ihnen sagte was zu mir. Ich ging nach Hause und erzählte stolz meiner Mutter, dass ich deutsche Soldaten gesehen hätte. Doch sie blieb drinnen, und sie sagte, sie wolle keinen davon sehen. Später an diesem Nachmittag kam mein Vater vom Postamt nach Hause. Er war in schlechter Stimmung. "Wir sind nun alle Deutsche," sagte er. "Nur der Himmel weiß, was mit uns geschehen wird. Sie haben alle Verbindungen nach England unterbrochen." Er erzählte meiner Mutter und mir, dass drei deutsche Offiziere während des Nachmittags in das Postamt gekommen und in den Raum mit den Fernschreibern (Maschinen, die zum Senden von Telegrammen benutzt wurden) gegangen waren. "Sie waren sehr höflich und schüttelten uns ihre Hände, als sie reinkamen," erzählte er meiner Mutter. "Aber wir mussten das tun, was sie sagten, da sie alle bewaffnet waren." Meinem Vater war befohlen worden, die Verbindungen aller Geräte zu trennen. Zur gleichen Zeit wurden alle Telefonanschlüsse nach England getrennt. Von nun an war niemand in Jersey in der Lage, nach außerhalb zu telefonieren oder irgendeine Nachricht von der Insel wegzuschicken. Brian Ahier Read
17th September, 1997 (Übersetzt von Tobias, Kl.11a-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany) |